Der innere Herbst
Draußen ruft zwar der Frühling, aber ich bin heute so richtig in meinem inneren Herbst angekommen, also in der prämenstruellen Phase meines Zyklus. Schon als ich in der früh die Augen aufgemacht habe, habe ich diese Genervtheit verspürt. Kennt ihr das? Dann kann mich wirklich alles aus der Fassung bringen, von unordentlichen Papierstapeln, leerer Milch und sich türmender Wäsche. Im inneren Herbst meldet sich unsere innere Kritikerin lautstark zu Wort. Was im vorangegangenen Zyklus liegen geblieben ist, zeigt sie uns im Herbst ganz klar auf. Sie führt uns kompromisslos vor Augen, wo wir unseren Werten nicht treu waren und nicht zu uns gestanden haben. Es macht sich in mir dann ein Gefühl breit, eine Dringlichkeit, jetzt und sofort alles ins Reine zu bringen. Ich nenne es auch die Tabula Rasa-Zeit. Die Zeit, die liegen gebliebenen Papierstapel zu beseitigen und die unausgesprochenen, runtergeschluckten Worte endlich auszusprechen. Wird die innere Spannung und das Gefühlschaos zu groß, dann hilft vor allem eines: kurz innehalten und überlegen. Welche Worte meiner inneren Kritikerin nehme ich mir zu Herzen? Was ist jetzt wirklich überfällig? Und wo geht sie vielleicht zu hart mit mir ins Gericht? Wo muss ich Abstand gewinnen und sie sanft in ihre Schranken weisen? Sei sanft zu dir, in dieser Zeit. Wenn wir gereizt und genervt auf andere reagieren, sind das Anzeichen dafür, dass wir versuchen uns unseren Raum zu erkämpfen. Gib dir bewusst die Erlaubnis, dir diesen Raum zu nehmen und zu reflektieren. Was stört mich wirklich? Denn dann kann im Herbst auch wunderbares Geschehen: dein wahres Selbst gewinnt an Stärke und du sprichst jetzt direkt aus deiner Mitte, authentisch, echt. Jetzt hast du ein Gefühl dafür, was gesprochen werden muss und was nicht mehr zurückgehalten werden darf. Tu es mit Herz und du kannst ganz viel bewegen.